Dankbarkeit ist eine innere Praxis – gerade dann, wenn es unbequem wird.
Im letzten Jahr habe ich während der Rauhnächte eine Dankbarkeitsroutine integriert, die ich hier mit dir teilen möchte. Sie besteht aus drei Elementen.
Dankbarkeit können wir lernen. Die Tatsache, dass du diesen Text liest bedeutet, dass du zu den 7 % privilegierten Menschen auf diesem Planeten gehörst. Hat sich das bis gerade eben nicht so angefühlt? Das erkläre ich dir gern, denn unser Empfinden ist immer relativ zu unserem Umfeld.
So gibt es spannende Studien, die zum Beispiel zeigen, dass wir Reichtum relativ zu unserer Nachbarschaft wahrnehmen. Haben wir das Gefühl, unsere Nachbarn haben weniger oder genauso viel Geld wie wir, sind wir mit demselben Einkommen zufriedener, als wenn wir glauben, sie hätten mehr. Faktisch haben wir so oder so das gleiche Geld – aber die Empfindung ist eine völlig andere.
Sich also bewusst zu machen, dass die Mehrheit der Menschen auf dieser Welt weniger reich beschenkt ist als wir – und selbst in diesem Land viele Menschen weniger privilegiert sind als wir –, kann ein echter Grund für Dankbarkeit sein. Doch Dankbarkeit ist eine Entscheidung, nichts, was gottgegeben vom Himmel fällt. Dankbarkeit können wir üben.
Im ersten Schritt kannst du dir eine kleine Dankbarkeitspraxis zulegen. Warum macht das Sinn? Das ist eigentlich ganz einfach. Hier bemühe ich sehr gerne einmal wieder die Funktion unseres Gehirns: Unser Gehirn dient dazu, unser Überleben zu sichern. Deshalb nimmt es negative Dinge exponentiell stärker wahr als positive. Wenn uns eine Gefahr durch die Lappen geht, könnte das lebensbedrohlich werden.
In unserer Zivilisation drückt sich das so aus, dass wir negative Erlebnisse, Kommentare etc. überproportional stark wahrnehmen, während das Positive oft einfach so durchrauscht. Ich kenne das zum Beispiel sehr gut: Wenn jemand Kritik äußert, gewichte ich diese deutlich stärker als die Tatsache, dass vielleicht alle anderen zufrieden sind. Oder wenn etwas schiefläuft, beschäftigt mich das oft länger und nachhaltiger als all die Dinge, die gut gelaufen sind.
Wir dürfen uns das bewusst machen, um zu verstehen, wie eine Dankbarkeitspraxis zu einer Umprogrammierung führen kann – und warum sie so wunderbar wirkt.
Ein echter Klassiker, den ich immer wieder gerne nutze, ist das Dankbarkeitstagebuch. Hier kannst du jeden Abend drei Dinge aufschreiben, für die du dankbar bist. Allein das führt dazu, dass du im Laufe der Rauhnächte beginnst, deinen Alltag anders wahrzunehmen. Denn schon um abends etwas eintragen zu können, gehen wir bewusster durch den Tag.
Wenn du diese Praxis erweitern möchtest, kannst du morgens ergänzen, auf welche drei Dinge du dich freust und warum du der glücklichste Mensch der Welt bist.
Neben dem Bewusstsein, dass die Welt trotz all der negativen Dinge um uns herum ein angenehmer Ort ist, hilft es, sich mit dem Gefühl der Dankbarkeit zu verbinden. Hier habe ich für dich eine Meditation aufgenommen, die du sehr gut als Start in den Tag praktizieren kannst.
