Das neue Jahr hat begonnen – und vielleicht hast du, wie viele Millionen andere auch, gute Vorsätze gefasst.
Und? Wie läuft’s?
Bist du deinem Ziel noch treu oder hast du deine Vorsätze schon wieder aus den Augen verloren?
Bevor wir uns dieser Frage widmen, lohnt es sich vielleicht, einen Schritt zurückzugehen:
Ist der Jahresanfang überhaupt ein guter Zeitpunkt für gute Vorsätze?
Die Meinungen dazu gehen auseinander. Florence Gaup sagte kürzlich im Podcast bei Lanz & Precht, dass die kollektive Energie zu Jahresbeginn die Chancen erhöht, Vorsätze tatsächlich umzusetzen. Wenn viele Menschen gleichzeitig starten, entsteht eine Art Rückenwind.
Schauen wir dagegen in energetische Konzepte oder in die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), zeigt sich ein anderes Bild: Der Januar ist dem Winter zugeordnet – einer Zeit des Rückzugs, der Ruhe und Regeneration. In dieser Logik wären ambitionierte Vorsätze wie mehr Leistung, mehr Sport oder die berühmte Bikini-Figur eher unpassend. Der Körper möchte sammeln, nicht leisten.
Was machen wir also mit diesen zwei Polen?
Vielleicht müssen wir uns gar nicht für die eine oder die andere Seite entscheiden. Vielleicht dürfen wir unser ganz eigenes Modell daraus entwickeln. Denn scheitern gute Vorsätze nicht oft genau deshalb, weil sie zu abstrakt sind? Weil wir uns ein Ziel vorstellen, ohne uns wirklich zu fragen, wie wir dort eigentlich hinkommen?
Was wir stattdessen bräuchten, ist ein kleinschrittiger, realistischer Plan. Einer, der das Nervensystem mitdenkt. Denn unser Nervensystem liebt Sicherheit, Vorhersehbarkeit und Wiederholung. Es sind nicht die großen Visionen, sondern die kleinen, regelmäßig gelebten Rituale, die langfristig Veränderung ermöglichen – so lange, bis sie Teil unserer Routine geworden sind.
Ein Blick ins Gehirn macht das noch verständlicher: Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, möglichst energieeffizient zu arbeiten. Alles, was neu ist, kostet zunächst mehr Energie. Deshalb versucht das Gehirn – liebevoll gesagt – uns erst einmal davon abzuhalten. Der berühmte innere Schweinehund meldet sich zu Wort und erklärt uns sehr überzeugend, warum das neue Vorhaben eigentlich völliger Unsinn ist.
Nicht aus Faulheit, sondern aus Energiespargründen.
Unsere Aufgabe ist es also, durch diese Phase hindurchzugehen. So lange, bis das Neue vertraut wird. Bis aus bewusster Anstrengung eine unbewusste Routine entsteht. Dann kostet es kaum noch Energie, erzeugt keinen Stress im Nervensystem – und kann ganz selbstverständlich Teil unseres Alltags werden.
Wer regelmäßig in meine Kurse kommt, kennt den Satz:
„Verknüpfe eine neue Routine mit einer bestehenden.“